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Die Feuertaufe zum echten Alpencrosser.
Dein Traum: den Alpenhauptkamm überqueren. Dein Ziel: am Gardasee ankommen. Dein Lohn: Der Sprung ins kühle Nass. Das alles erfüllt dir unser Transalp-Klassiker.
Die Hochalpen warten mit fünf anspruchsvollen Tourtagen auf: karge Landschaften, abgelegene Täler, hochalpine Einsamkeit. Perfektes Terrain für dich, dein Mountainbike und deinen Ehrgeiz. Mehr als ein Dutzend Pässe liegen zwischen Start und Ziel. Mit Abfahrten vom Allerfeinsten: ein rasendes Teilstück des Giro d’Italia, ein knackiger Singletrail im Val Mora, ein ruppiger Downhill nach dem Tremalzopass – und Einiges mehr. Bei dieser Alpenüberquerung lautet deine Aufgabe eindeutig: Durchhalten!
Start in Pfunds am Inn Am Vorabend trifft sich die Gruppe zur ersten Lagebesprechung. Hier erhältst du Informationen über die Route, dein Pensum an Höhenmetern, die heftigsten Pässe und brisantesten Besonderheiten. Hier ist Gelegenheit, Informationen und Meinungen auszutauschen und in der Gruppe anzukommen.
Im österreichischen Pfunds am Inn fällt der Startschuss. Auf den ersten Kilometern rollen wir uns warm. Hinein in die Schweiz, ins Engadin. Kontinuierlich gewinnen wir an Höhe. Ramosch, Sent, Scuol – alle lassen wir sie rechts liegen. Val S-charl stellt die erste Wadenprobe. Die Kette wandert aufs kleinste Blatt, jeder findet seine ideale Trittfrequenz. Hier setzen sich die ersten Alphatiere ab. Dennoch gilt: an Anstiegen fährt jeder sein eigenes Tempo. Der Tourguide bleibt hinten, von ihm darf keiner überholen werden.
In S-charl beim gemeinsamen Mittagessen werden die ersten Höhenmeter mit leckeren Kohlenhydraten belohnt. Danach steigt die Route weiter bis zur Alp Astras an. Dort oben öffnet sich das Tal und legt eine Garnison von Alpengipfeln frei. Nur noch ein paar Kuhglocken und das eigene Atmen brechen die Stille.
Der letzte Tagesanstieg – hart und herzlich. Ebenso der Pass da Costainas mit seinen 2251 Metern ü.M. Du wirst ihn fahren. Die Stimmung ist gut, die Beine müde. Das Münstertal sorgt für Erholung.
Val Mora – hochalpin und kampflustig
Der zweite Tag empfängt uns mit einem der eindrücklichsten Täler der Alpen – dem Val Mora. An der Grenze zwischen der Schweiz und Italien zeigt es sich karg und unwirtlich. Kein Ort mehr für Mensch und Vieh. Dein Durchhaltewille steht auf dem Spiel. Ein atemberaubender Gipfelkessel bildet die Kulisse für einen etwas gnädigeren Streckenabschnitt. Nach ca. 1 Stunde Singletrail erreichen wir den Passo Val Mora, der die Grenze zu Italien markiert.
Jetzt bleiben wir mehr als 30 Kilometer lang auf einer Höhe von über 1900 Metern. Dünne aber klare Luft und solider Schotter sorgen dafür, dass es Lunge und Gastrocnemius nicht langweilig wird. Vorbei am Lago di San Giacomo di Fraele, einem gewaltigen Stausee mit filmreifer Staumauer, fahren wir weiter zu zwei alten Wehrtürmen am Ausgang dieses Hochtals. Hier peilen wir den Gaviapass an, den wir aber wegen der vielen Motorradfahrer und Wohnmobile meiden.
Stattdessen halten wir Höhe und nutzen die Talflanke des Val Viola Richtung Bernina-Massiv. Hier dienen uns alte Militärwege, die Mussolini bauen liess, um Italiens Nordgrenzen abzusichern. Heute kennt sie kaum noch jemand – genau richtig für uns Offroad-Mountainbiker.
Bald erwartet uns der nächste feurige Anstieg – der Passo di Verva. Zuerst gnadenlos steil, dann flacher, jedoch mit losem Steinschotter ohne Ende. Es fährt, wer kann und schiebt, wer nicht mehr kann. Die Passhöhe wird fällig, das sagt dir dein ganzer Körper. Mit einer endlosen Abfahrt über 20 Kilometer vernichten wir 1600 Höhenmeter. Die Bremsen glühen, der Energiehaushalt braucht Nachschub, das weiche Hotelbett in Grosio krönt den Tag.
Giro d’Italia – Marco Pantani gegen Jan Ullrich Italien ist kein Frühstücksland. Trotzdem ist das unsrige für uns Alpencrosser optimal: Brot, Wurst, Käse und Kaffee ohne Ende.
Der berüchtigte dritte Tag: Powerbars, Trockenobst und frische Früchte müssen heute jederzeit griffbereit sein. Unser erstes Etappenziel trägt zwei Namen: Passo Mortirolo von Norden her kommend, Passo di Foppa auf der Südseite. Aber nicht deswegen hat dieser Pass Geschichte geschrieben. Hier haben sich Pantani und Ullrich gnadenlose Zweikämpfe geliefert – 1200 endlose Höhenmeter lang. Bodenbeschriftungen mit “Jan”, “Pirates” und “Quäl dich!” zeugen noch heute von diesen Kopf-an-Kopf-Rennen. Hier zeigt sich, wer im Winter richtig trainiert hat.
Auf der Passhöhe gibt’s Gipfel-Spaghetti. Hier glaubt man, den Gardasee riechen zu können. Italien pur. Erst geht’s wieder bergab, ins Val Camonica. Wer einen Tacho hat, darf staunen. Breno bringt Erlösung.
Passo Croce Domini – heilig aber schmerzvol Von Breno aus stellen wir uns der nächsten Kraftprobe: dem Passo Croce Domini. 1600 Höhenmeter am Stück – der innere Schweinehund kläfft lauter. Die ersten drei Tage kann niemand wegdiskutieren. Jede Kurbelumdrehung bleibt ein kleiner Sieg gegen die Schwerkraft. Nach oben zieht uns das Glitzern des Gardasees – nicht unserer Schweissperlen.
So gnadenlos wie sein Aufstieg, so herrlich ist seine Aussicht: Der Passo Croce Domini enthüllt ein Meer von Alpengipfel, getrennt von ebenso vielen abgrundtiefen Tälern. Die Alpenwelt Italiens zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Nirgendwo sonst sind die Höhendifferenzen zwischen Pässen und Tälern so dramatisch.
Jetzt bist du als Downhiller an der Reihe. Wir wählen den direkten Weg. Wer diesen Singletrail nicht zu mindestens 90% fährt, sollte aufs Citybike umsteigen. Hier kommt jeder auf seine Rechnung: Wiesentrails, Treppenfahren, Schotterslides, Forstwege, Wasserfahrten und Vieles mehr. Über eine Stunde Technikkurs – natürlich und kostenlos. Bagolino weiss, warum hier die Mountainbiker lächelnd einrollen.
Tremalzo – Zauberberg am Gardasee Bagolino ist Startort unserer letzten Etappe. Über den Passo Tremalzo zu den Ufern des Gardasees. Ein hartes Tagespensum steht auf dem Programm: 1700 Höhenmeter, 5-6 Fahrstunden.
Vom Lago d’Idro aus fahren wir Richtung Norden, um gleich zur Sache zu kommen. Nach 300 Höhenmetern nehmen wir en passant einen weiteren Pass mit, den Passo Ampola. Hier wählen wir die Route über den Tremalzopass. Schön gleichmässig ansteigend, aber unbarmherzig als Gesamtziel. In dieser Region ist man als Mountainbiker nie allein. Der Gardasee bleibt eine beliebte Urlaubsregion für Kräftemesser. Auf dieser Strecke gilt nur eins: ganz nach oben kommen. So setzt jeder ungeahnte Kräfte frei
Nach kurzem Energietanken im Rifugio Garda erklimmen wir die letzten 120 Höhenmeter zum Tremalzotunnel. Am Ende des Tunnels blitzt das Licht der andere Seite. Da endlich liegt er vor uns. Der Gardasee: zauberhaft, verträumt, kokett. Es warten fast 2000 Höhenmeter Abfahrt auf uns. Hierfür hat sich jede Qual gelohnt.
Die ersten 600 Meter nehmen uns unzählige Kehren eines Militärwegs aus dem Ersten Weltkrieg ab. Die Bilder davon sind berühmt – noch toller ist es, selber im Bild zu sein. Dann halten wir die Höhe – nur die schönsten Trails sind uns gut genug. Italien ist einmalig. Die drückende Hitze der Aufstiege weicht einem erfrischenden Fahrtwind. Das Ziel rückt näher. Wir fahren, fahren immer noch. Ein einziger MTB-Rausch.
Bei Pregasina weit oberhalb des Gardasees wählen wir die Ponale, die neu eröffnete Panoramastrasse zum Grande Finale: Riva del Garda, unser Weg ist am Ziel. Deinen feierlichen Sprung ins Wasser wirst du nie mehr vergessen!
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