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Kampflustiger Freiheitssinn.

Die Schlacht bei Morgarten im Jahr 1315 ging als denkwürdiges Ereignis in die Geschichte der Schweizer Unabhängigkeit ein. Auf dem Alpencruise Zürich – Eiger Nordwand besuchen wir zwei Orte, die zum Schauplatz helvetischen Eigensinns und heimatlicher Verbundenheit avancierten.

Die Schlacht bei Morgarten entstand aus einer Auseinadersetzung zwischen dem Adelshaus Habsburg in Person von Herzog Leopold und der regionalen Bevölkerung auf dem Gebiet der späteren Schweiz.
Kloster EinsiedelnDas Kloster Einsiedeln im heutigen Kanton Schwyz stand damals unter dem Schutz der Habsburger. Der amtierende Abt verbot es den Bauern, das Vieh auf den Klosteralmen weiden zu lassen, wie dies seit Generationen Brauch gewesen war. Die heimatliebenden Bauern setzten sich kurzerhand über das klösterliche Verbot hinweg. Der Unmut erreichte einen ersten Höhepunkt: Der Abt verklagte die Schwyzer beim Erzbischof von Konstanz. Dieser wiederum untersagte es den Schwyzer Kirchen, die Glocken zur Messe zu läuten.

Das traf den Urschweizer Freiheitssinn, die Rache liess nicht lange auf sich warten. In der Dreikönigsnacht auf den 7. Januar 1314 überfielen die Schwyzer das Kloster Einsiedeln und nahmen sich die gesamte Bruderschaft zur Geisel. Diese Kampfansage war deutlich und beide Seiten rüsteten auf: Leopold seine Mannen und die Urschweizer ihren Kampfwitz.

Am frühen Morgen des 15. Novembers 1315 besammelte der Herzog ein Heer von 5000 Österreichern, davon rund ein Drittel Berittene, in Zug und setzte sich gegen Ägeri in Marsch. Der Ägerisee wird vor dem Ort Sattel durch eine kurvige Kimme vom Schwyzer Talkessel getrennt. Leopolds Ziel war doppelt: Er wollte sich sowohl den Talkessel von Schwyz unterwerfen als auch Einsiedeln selbst einverleiben. Doch die gut vernetzten Schwyzer wurden frühzeitig über seine geheimen Pläne informiert.


EidgenossenRund 1500 Schwyzer und Verbündete versteckten sich an den Abhängen zu beiden Seiten des Taleinschnitts bei Morgarten. Sie erwarteten die herzogliche Armee mit einem listigen Hinterhalt, ganz nach dem Innerschweizer Motto: kurz und schmerzlich. Sobald die ersten Reiter die Talenge beschritten hatten, liessen die Eidgenossen wuchtige Holzstämme und gigantische Felsbrocken ins Tal rollen, mitten ins österreichische Heer hinein. Eine Flucht nach vorn war unmöglich und nach hinten blockierten die eigenen Reihen den Weg. In kürzester Zeit war die Ritterschar dezimiert. Leopold musste den Rückzug befehlen.

Der Krieg war mit der Schlacht noch lange nicht vorbei. Der Sieg bei Morgarten aber gab Anlass für den «Bund zu Brunnen» vom 9. Dezember 1315, der die drei Vierwaldstätter Länder Schwyz, Uri und Unterwalden enger zusammen schmiedete. Die Urschweizer Eidgenossenschaft nahm ihren Kampf gegen fremde Herrscher gestärkt an die Hand.

Der Adler am Simplon.

Dies ist die Legende vom Steinadler am Simplon. Sie erzählt, warum der Alpenhauptkamm beim Simplon-Pass einen plötzlichen Richtungswechsel aufweist. Was daran wahr ist, soll jeder selber entscheiden.


Der Briger Handelsherr Kaspar Jodok Stockalper war ein Mann der Tat. Er nutzte die Wirren des dreissigjährigen Kriegs, baute den Säumerweg über den Simplon-Pass aus und damit ein immenses Handelsimperium auf. Er brachte das Salzmonopol im Wallis in seine Hand und organisierte Verkehr und Transport in den Süden. Neben Export- und Importhandel im grossen Stil betrieb er eigene Bergwerke für Blei, Eisen, Kupfer und Gold. Letzteres war in den Walliser Alpen nur selten zu finden und so erstand es Stockalper im Tausch gegen wertvolle Waren.

Adler auf dem Simplon-PassEines Tages bot ihm ein norditalienischer Fürst ein Goldvermögen. Im Gegenzug sollte ihm Stockalper einen Jungvogel des Steinadlers vom Simplon für seine Jagdgebiete in Norditalien beschaffen. Stockalper erschrak. Der Steinadler gehörte dem Simplon. Da oben zog er seine herrscherischen Kreise, seine Schreie waren bis tief ins Tal zu hören. Den Sennen verriet er das  Wetter, den Jägern die Steinbock-Reviere und den Alphirten die hungrigen Wölfe. Der Steinadler war unantastbar, auch für den reichen Stockalper. Doch die Goldgier siegte. So heuerte Stockalper die klügsten Wilderer an und bezahlte sie fürstlich. Ein paar Nächte später brachten sie das Jungtier in einem Eisenkäfig zum Handelskontor in Brig.

Gleich am nächsten Tag brach Stockalper mit eingeweihten Begleitern gegen Süden auf, den Käfig sicher in seiner Trage verstaut. Die Übergabe der Ware hatte er für den späten Nachmittag auf der Bergalp jenseits des Simplon-Passes vereinbart. Als die Gruppe den Pass erreichte, zogen dunkle Gewitterwolken auf. Die ersten Regentropfen fielen schwer auf die Steinplatten. In der Ferne konnten die Schweizer bereits ihre italienischen Handelspartner erkennen. Schon bald standen sie sich bei der Bergalp gegenüber, um den Tauschhandel zu vollziehen. Da zerriss ein greller Blitz die Wolkendecke, der Donner krachte ohrenbetäubend nieder. Mit einem lauten Grollen tat sich zwischen den zwei Gruppen der Berg auf, öffnete einen abgrundtiefen Rachen. Immer grösser und immer weiter verlief der Schlund, nördlich Richtung Mäderhorn und südlich bis zum Engiloch. In wenigen Minuten war es geschehen: Der sanfte Bogen des Alpenhauptkamms zerfurchte, zerspaltete, zerbarst. Die Handelsleute brachen in Panik aus. Die Italiener wurden mit Gold und Waren vom Abgrund verschlungen, die Schweizer rannten um ihr Leben. Stockalper erkannte, wie ihnen geschah. Er packte den Käfig, riss das Schloss auf und liess den Jungadler frei. Dieser schoss hoch in die Lüfte, zog drei weite Kreise um den gebrochenen Pass und verschwand. Für immer.

Kaspar Stockalper kam mit dem Leben davon. Er ging als „König des Simplons“ in die Geschichte ein. Das Gold wurde nie gefunden. Noch heute wacht ein Adler über den Simplon-Pass, allerdings aus Stein.

Der Steinbock – ein illegaler Alpen-Insider.

Die Geschichte des Steinbocks in den Schweizer Alpen liest sich wie ein spannender Krimi – mit ungewissem Ausgang.

Zeiten der Not, Siedlungsausweitungen und die Erfindung der Feuerwaffe haben den Steinbock nach der letzten Eiszeit in der Schweiz komplett ausgerottet. Nur im Aostatal blieb ein Bestand im Jagdrevier des italienischen Königs erhalten. Erst ab dem 19. Jahrhundert fand ein Umdenken und erste Aussetzungen statt. Diese Versuche mit Wildparktieren – Bastarde zwischen Steinbock und Hausziege – scheiterten, da die Tiere der freien Wildbahn nicht gewachsen waren.

Mountainbike-Mekka AlpenZur Einweihung des Simplon-Tunnels 1905 bat der damalige Bundespräsident den italienischen König um „reinblütige“ Steinböcke für die Wiederansiedelung. Er erhielt eine barsche Abfuhr. So griff er zu illegalen Methoden: die Wilderer. 1906 wurden beim Grossen St. Bernhard die ersten zwei Kitze nach Martigny geschmuggelt. Dieses Unterfangen kostete rund 60 000 Franken – und eine saftige Busse wegen verbotener Einfuhr von Tieren.

Die Wiederansiedelung der „geklauften“ Exemplare wurde sorgfältig in Tierparks vorbereitet. 1911 fand die erste Aussetzung im St. Galler Oberland statt. Dieser Bestand blieb mangels Kenntnis der Lebensbedingungen jahrelang hager. Erst nach dem II. Weltkrieg entstand im Calfeisental eine umfassende Kolonie. Wildhüter perfektionierten den Lebendfang, um Verluste z.B. durch strenge Winter rasch auszugleichen. Mitte Siebziger waren fast alle geeigneten Lebensräume wieder besiedelt.

Heute leben ca. 14000 Steinböcke in den Schweizer Alpen. Leider gibt es Anzeichen eines Rückgangs, dessen Ursachen noch nicht geklärt sind

Mit Kraft, Besonnenheit und Ausdauer hat der Steinbock unsere Bergwelt zurückerobert. Aus Respekt vor seiner Beharrlichkeit ziert er heute das Logo von alpencross.ch.

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